Zeit werd's

Kultur pur, Theater in München by Fürschtl

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Zeit werd's

Beitrag#1von Forenmoderatoren Fürschtl » 9. Feb 2013, 00:20

I Dank Eich alle de si traut hom
bei der Münchner Volkssänger Bühne vorbei zum schaun



Dem Rest

sei unsere Kritik

ein Andenken :daumen:


Kritik
Manchmoi Lafts hoid bläd

Durch Spinnwebennetze haben sie sich kämpfen müssen und den Staub abgelegter Theaterfossilien einatmen müssen. Endlich hielt die Münchner Volkssänger-Bühne das ersehnte Textbuch in den Händen. Eine herrlich komische Zauberposse des großen österreichischen Dramatikers der Biedermeierzeit, Ferdinand Raimund, mit dem märchenhaft abenteuerlichen Titel „Der Diamant des Zauberkönigs“. Heute würde es als eine Indy-Variante vom „Jäger des verlorenen Schatzes“ Kohle machen.

Die Diven, die Primadonnen, die Heldendarsteller und die feschen Jünglinge der Münchner Traditionsbühne schmissen sich in den Glitter und Glamour des Münchens zwischen 1810 und 1860 und hievten allegorische Figuren, wie Neid, Gier und Güte mitten hineins in unendliche Welttheater. Und sie stellten sich die Frage, was denn nun das höchste Glück im Kümmerlingsdasein des Menschen sei. Und so befand sich die Kubizbühne, ausgestattet von einem genialen Bühnenbildner mittendrin zwischen greller Transenbar und mystisch dämmerndem, sternenübersätem Reich der Phantasie. Dort, wo senile, aber kluge Zauberer regieren und das Feen-Trio Sing, Sang, Sung mit ihrem Sirenengesang Menschen versteinert. Keinem Odysseus droht Gefahr, sondern dem erstarrten treuen Florian fehlt jede Regung und Bewegung. Ein Medusenblick hätte das gleiche vollbracht.

Überhaupt ist einmal mehr zu bestaunen, wie sehr die präsenten Mimen in der Kultur- und Gestesgeschichte herumwildern, um zu der Erkennis zu gelangen „Manchmoi lafts hoid bläd“. Das renovierte Stück, dessen Bearbeiter sich nicht zu erkennen gibt, bescherte Stoff für den Pausentalk. Keiner im Publikum, der den Inhalt ganz verstanden hat. Oder der sich in Untererde, Mittelerde oder im Himmelhoch von Fräulein Glöckchen zurechtfand - und dennoch allesamt waren sieverzaubert. Die Inszenierung von dem Duo Nicole Schmidt und Roland Beier ist von einem irrlichternden Charme, der nicht greifbar ist, sondern dessen Auswirkungen man sich willenlos überlassen muss.

Also, im dekadent plüschigen Palast des Geisterkönigs herrscht Unruhe. Grund: Der alte Herr mit der vielzackigen Krone auf dem ergrauten Haupt hällt sich lieber in Bayern auf als sonstwo. Und weil das auch heute so ist, bleiben Potentaten und Parteien immer so lange wie möglich auf ihrem Thron hocken. Deshalb ist das Stück in Wahlkampfzeiten so aktuell. Das hat der Raimund in diesem Stück von 1824 zur Zeiten der Geheimpolizei von Fürst Metternich richtig gesehen - übrigens debütierte die Schauspiellegende Paula Wessely in dem vergessenen Klassiker.

Das Drama: Unten im schnöden Grau einer materialistischen Welt wurde bei einer delikaten, im Sitzen ausgeführten Stellung der Magier Heribert vom Blitz getroffen. „Manchmoi lafts hoid bläd“.

Ein verzweifelter Filius bleibt zurück: arm, verlassen und nur vom einem treusorgenden Diener versorgt. Miederbewehrte, in üppiger Kleiderpracht und hutbewehrte Damen treten plötzlich - wie in Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ - in Erscheinung und versprechen dem selbstmordmüden Helden keine Pamina, sondern „Malokilomar“. Ein Schatz, der mit kolossalem Aufwand und tausend Prüfungen errungen werden muss. Der Herbst, personifiziert durchein zauberhaft kokettes und spielfreudiges Fräulein, ist die Führerin bei der Suche nach dem Schatz.

Als flügelschlagende Vögel hüpfen an sich sehr würdige Herren vom Stuhl, und die zahlreichen Frauen outen sich mindestens als so unerfreulich, wie dies ansonsten nur Steuerklärungen zur Last gelegt wird. Die Darsteller sind großartig in ihrem Schmerz, Sarkasmus und ihrer Treuherzigkeit.

Und trotz geheimer Mächte und Umstände, die Unterhachinger sahen sich sich dank der Münchner Volkssänger-Bühne einmal mehr in ein biedermeierliches München versetzt: singspielhaft säuselnd, voller Gassenhauer und Stimmung. Und gar so schön! „Ein Kuss ist halt doch schöner als ein Diamant“, finden - angeführt von Helmut Achmüller - Helmut Wagner, Helmut Esterl, Bärbel Baier, Andre Gitter und Hanna Timm.


Manfred Stanka Münchner Merkur


ach und. Wir suchen De se traun a. Moi aufd Bühne zum gehen

weil a wir wern ned jünger

melden derfa se bis ca. 30 jährige. Oder de so ausschauen

entweder bei. Mir oder. Im Gästebuch der www.mvb-ev.de


sers Eier Fürschtl
i mog zwar den Tod, muas aber ned dabei sei wenn s passiert ;)



www.mvb-ev.de

www.kids-in-emotion.de
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